Unser Gewinner
Rückfahrt
Geschrieben von: Stephan Mittelstädt   
Montag, 15. November 2010 um 17:00 Uhr

5:30 Uhr – Abfahrt vom Hotel. Ich bin froh, hier nicht mehr länger bleiben zu müssen. Abgehetzt sind wir in den Bus gesprungen. Hab vielleicht einen Tick zu lange geschlafen. Aber wir waren auf die Minute pünktlich am Bus. Wir fahren das letzte Mal die Strecke vom Hotel zum Haus des Gouverneurs. Die Straßen sind mir mittlerweile vertraut. Ich habe das Gefühl, hier schon ein halbes Jahr zu sein, auch wenn die Zeit so schnell verflogen ist. Es war alles so intensiv, herausfordernd, aufwühlend.

Ich nehme im Halbdunkel des langsam anbrechenden Tages im Stillen Abschied. Ich kenne die Leute hier eigentlich nicht und ich bin froh, wenn ich diesen Ort wieder hinter mir lassen kann und doch fühle ich eine seltsam starke Verbindung mit den Menschen.Beim Frühstück verabschieden wir uns voneinander. In unserem Bus fahren nun eine Gruppe Brasilianer mit. Die Engländer, die seither mit uns im Bus fuhren, sind bereits heute Nacht aufgebrochen.

Um Punkt 7 Uhr fährt unser Konvoi los. Ich bin mir nicht sicher, ob die Verantwortlichen hier echte Afrikaner sind bei der Pünktlichkeit, die sie an den Tag legen. Für die 200 km nach Lagos werden wir die nächsten 8 Stunden im Bus sitzen. Beim Start hieß es noch, dass wir unterwegs nicht anhalten würden. Also sparsam mit dem Trinken umgehen. Auf der Fahrt durch Ogbomosho werden wir warm verabschiedet. Die Menschen bleiben stehen und winken uns zu. Unsere Brasilianer machen das Fenster auf und rufen auf Yoruba „Auf Wiedersehen“ aus dem Bus. Ist in Ogbomosho echt lustig. Nachdem sie das aber die ganze Fahrt über in jeder größeren Stadt machen, reagieren die Leute doch etwas verunsichert.

Auf der Rückfahrt betrachte ich dieses Land anders als bei der Herfahrt. Ich sah den Müll, die Umstände, in denen die Menschen leben, und ich fühlte Hoffnungslosigkeit. Der Müll ist immer noch da, aber jetzt sehe ich die vielen fröhlichen Gesichter. Ich sehe immer wieder Häuser, die sauber geputzt sind, die keinen Dreck vor dem Haus liegen haben. Ich sehe kleine Geschäfte, deren Besitzer eifrig aus dem Wenigen, was sie haben, mehr machen wollen.Ich habe in den letzten Tagen gesehen, wie das Reich Gottes sich in dieser Stadt ausgebreitet hat. Wie Menschen innerlich und äußerlich gesund wurden. Wie die Kraft Jesu Menschen und sogar einen ganze Stadt verändern kann. Nun bin ich zuversichtlich, dass diese Stadt ihren Weg gehen wird, die Wunden heilen werden.

Ich bin überzeugt, dass Jesus uns ganz konkret segnen will mit gesunden Familien, glücklichen Beziehungen und ja – auch mit einem gewissen Maß an Wohlstand. Ich bin überzeugt, dass Jesus heilt, rettet, wiederherstellt, gerne im Überfluss gibt und Freude daran hat, uns reichlich zu beschenken – hier und jetzt und auch in Deutschland.

Auf halber Strecke fährt ein Mann, er ist moslemisch, dem Bus in die Seite, weil er sich unbedingt in den Konvoi drängen will und ihm ein Auto entgegenkam. Außer Blech ist nichts kaputt gegangen. Auch das gehört dazu.

Um 15 Uhr sind wir endlich wieder im Sheraton-Hotel in Lagos. Es kommt mir vor wie der Vorhof zum Paradies. Noch 8 Stunden bis zum Abflug und 14 Stunden, bis ich meine Familie endlich wiedersehen kann.

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Der Himmel steht offen
Geschrieben von: Stephan Mittelstädt   
Sonntag, 14. November 2010 um 23:00 Uhr

Wir konnten heute ausschlafen – bis um 08.00 Uhr. Allerdings war die Nacht nicht besonders toll. Unter unserem Fenster hat eine Gruppe Fußballfans bis um 03.00 Uhr lautstark gefeiert. Als der Wecker klingelte, war ich doch einigermaßen ausgeschlafen. Duschen macht mir nichts mehr aus. Bin trotzdem froh, wenn ich das Hotelzimmer nicht mehr sehen und nutzen muss.
Genieße das Frühstück und den afrikanischen Morgen im Freien auf einem weißen Plastikstuhl und unter einem Zelt der Firma „Gods favor rental“ – die Afrikaner kennen echt keine Schmerzen.

Um 10:00 Uhr haben wir Gottesdienst mit unserer Besuchergruppe, dem CfaN-Team und natürlich Reinhard und Daniel. Der Lobpreis ist kurz aber intensiv. War aber auch nicht anders zu erwarten bei den Leuten hier und dem, was wir in den letzten Tagen mit Gott erlebt haben. Ich genieße die Zeit. Reinhard predigt. Mir bleibt nur der Satz: „Wer immun gegenüber der Ehrerbietung von Menschen ist, dem macht auch Kritik nichts aus.“ Sehr weise, finde ich.

Danach predigt Daniel noch zu Johannes 1 – Jesus beruft Nathanael. Er ist total begeistert von Jesus und der Bibel. Er spricht darüber, dass Jesus im ganzen AT zu finden ist. Jetzt bin ich gespannt. Er meint, dass Jesus das Manna und die Quelle in der Wüste, die Himmelsleiter und auch der Engel des Herrn war. Eine absolute Offenbarung für mich. Das macht das AT richtig spannend und nicht nur zu einer Sammlung von Geschichten. Hier lehren uns zwei große Theologen, ich wünsche mir auch diese Tiefe. Zum Schluss bieten sie eine Segnungszeit an und legen die Hände auf. Es bildet sich eine lange Schlange, ich bin ganz hinten. Wünsche mir mehr Vollmacht beim Predigen und dass sich dadurch die Leben von Menschen verändern. Vor mir fallen manche beim Beten um, zittern oder fangen zu weinen an. Bei mir passiert nicht viel. Aber ich merke, dass mich wieder diese tiefe Freude erfüllt und dass ich über die Leben verändernde Liebe von Jesus reden möchte. Ich hoffe, das bleibt und bete dafür.

Es geht nahtlos ins Mittagessen über, dann der Transfer ins Hotel. Mittagsruhe – wie immer – aber heute das letzte Mal. Wie die Veranstaltung heute Abend. Auf der Fahrt dorthin ist noch mehr los als sonst. Aber irgendwie kommen wir zu unserem Parkplatz hinter der Bühne. Heute dürfen die Gewinner wieder auf der Bühne sitzen, also auch ich. Finde ich toll, es beim ersten und beim letzten Mal alles von oben zu sehen. Die Leute strömen in unglaublichen Massen auf das Feld. Es werden 400.000. Mehr als doppelt so viel wie am ersten Abend. Über der Bühne ist es stark bewölkt, aber während des Lobpreises bilden die Strahlen der Sonne durch eine Wolkenlücke ein wunderschönes Bild. Der Himmel steht offen über der äußerlich so armen Stadt.

Daniel predigt über Römer 8,1–2, einen schwierigen Text. Er nimmt aber so eindrückliche und einfache Beispiele, dass es sogar das kleinste Kind verstehen kann. Er dreht sich ab und zu nach hinten um und zwinkert uns Hinterbänklern zu. Mir wird schlagartig bewusst, wie einfach und entspannend es sein kann, Jesus zu vertrauen.
Wie oft habe ich mich verkrampft beim Predigen oder Beten, weil ich ein Ergebnis rauspressen wollte. War super anstrengend und hat kaum was gebracht. Aber wenn ich Jesus vertraue, dass er seine Zusagen hält, wird alles so viel einfacher und wahrscheinlich kann er erst dann wirken. Mich erfüllt eine schöne Leichtigkeit.
Dann werden wieder zwei Tonnen voller Amulette angezündet. Von der Bühne aus kann ich ein gutes Foto machen. Beim Beten für die Kranken fängt es an, in Strömen zu regnen. Die Einzigen, die wie wild herumrennen, sind die Techniker. Ich werde klatschnass, verlasse aber meinen Platz nicht. Die anderen tun es auch nicht und die 400.000 schreien wie gewohnt laut „Amen“. Es geschehen wieder Zeichen und Wunder. Während der Zeugnisse müssen wir leider die Bühne für die Abfahrt wieder verlassen. Diesmal müssen wir besonders schnell los, damit wir vor den anderen wieder auf der Straße sind, um nicht im Verkehrsstau stecken zu bleiben.

Ich schaue mich nochmal um. Das Feld ist überfüllt, in orangenem Scheinwerferlicht sieht man die Menschen noch auf den Bäumen und Mauern am Rand des Feldes stehen. Ich werde dieses Bild sicherlich nie mehr vergessen und ich werde diese wundervollen Menschen vermissen, bis wir uns im Himmel wiedersehen werden.

Im Bus eingestiegen, fängt Reinhard mit dem versprochenen Segen für die Menschen an. Ich erwarte ein kurzes Segensgebet aus dem AT oder so etwas Ähnliches. Aber er segnet ganz konkret: „Ich segne euch mit gutem und leckerem Essen auf eurem Tisch. Im Namen Jesu.“
Die Menge schreit laut „Amen“ und freut sich. Er segnet sie für gute Schwangerschaften, gelingende Familien, gläubige Ehepartner, gute Noten für die Schüler und in den Taschen der Eltern das Schulgeld dafür. Und vieles, vieles mehr. Er segnet sie sogar mit Wohlstand und doppeltem Umsatz in ihren Geschäften. Für mich wird es an dieser Stelle schwierig. Aber unser Busfahrer, der sein Fenster aufgemacht hat, betet mit und ist tief bewegt. Ich wünsche mir, dass Jesus auch in meinem Leben wieder so konkret erfahrbar wird. Aber an einigen Segenswünschen habe ich zu knabbern, muss ich morgen nochmal drüber nachdenken. Wir haben den richtigen Moment für die Abfahrt verpasst und stecken im totalen Verkehrschaos. Die Schwarzen winken uns fröhlich zu und wir winken zurück. Ist schön mit ihnen, auch wenn ich mich so langsam richtig nach zu Hause sehne.

Wir packen unsere Koffer, putzen unsere von der Erde roten Schuhe und ich lasse die beiden Frösche in einem Gebüsch frei – weit weg von unserem Hotelzimmer. Noch fünf Stunden schlafen, dann geht es wieder nach Hause.

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Abschied von Ogbomosho
Geschrieben von: CfaN   
Sonntag, 14. November 2010 um 17:00 Uhr

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Feuer fällt
Geschrieben von: Stephan Mittelstädt   
Sonntag, 14. November 2010 um 15:00 Uhr

Wache völlig gerädert auf. Lange halte ich den wenigen schlechten Schlaf nicht mehr durch. Ich sehne mich nach meinem Bett in Heilbronn. Dusche mit einem sehr mulmigen Gefühl. Der Frosch zeigt sich aber nicht mehr. Lars meint, er wäre weg, seine Freunde holen. Finde ich nicht lustig. Allerdings quake ich immer, wenn er ins Bad geht. – Findet er nicht lustig.

Heute ist der Tag, an dem Feuer fallen soll. D´day für die Hölle. Es geht morgens vielversprechend mit der Morgenandacht von Reinhard los. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, was er gepredigt hat. Aber bei mir ist der Groschen gefallen, was es bedeutet, zu glauben. Hatten gestern ein theologisches Gespräch in einer kleinen Gruppe über ein für mich unwichtiges Thema. Aber ein Satz ist gefallen: „Ich muss es erst verstehen, bevor ich glauben kann.“ Mir fällt wie Schuppen von den Augen, dass dieser Satz völliger Quatsch ist. Ich darf Jesus einfach glauben, wenn er mir etwas zusagt, ob ich es verstehe oder nicht. Langsam kommen mir die Konsequenzen. Ich habe mir immer viel eingebildet auf meinen schlauen Kopf und dass ich so viel verstehe. Das steht mir im Weg. Jesus zu vertrauen wie ein Kind fühlt sich komisch an. Mein Erwachsen-sein-wollen-Geist rebelliert stark. Ich merke aber auch, dass eine gewaltige Kraft darin steckt, wenn ich Jesus so vertraue.

Auf der Feuerkonferenz predigt Peter van den Berg zunächst noch einmal. Er spricht über Elia und Elisa – wie Elisa dranbleibt, bis zum Schluss. Wie er Gottes Kraft haben möchte, so sollen auch wir unbeirrbar an Jesus dranbleiben und seinen Geist erbitten.

Dann Showdown: Thomas sprach vorher von einem heiligen Chaos, aber noch geht alles geordnet vor sich. Die Pastoren der Gemeinden werden nach vorne gebeten. Es strömen Hunderte nach vorne. Erstaunlich, bei uns würden jetzt eine Hand voll vorne stehen. Aber hier steht auch an jeder Ecke eine Kirche.

Daniel wird für sie beten und dann die Hände auflegen. Danach sollen die Pastoren durch die Reihen gehen und den anderen die Hände auflegen. Wie die Füchse im Buch Richter 15, 4-5, die mit brennenden Schwänzen durch ein Getreidefeld rennen. Nachdem Daniel für sie gebetet hat, sollen alle laut Halleluja schreien und dann Gott laut loben. Ich bin gespannt. Er betet. 10.000 Menschen schreien Halleluja. Ohrenbetäubend. Ich habe die Augen geschlossen und sehe, wie ein gewaltiges Feuer vom Himmel kommt, sich teilt und lauter kleine Feuer über den Menschen schweben. Ich mache die Augen auf und sehe nur, wie sich vor der Sonne ein paar Wolken vorbeischieben. Ein bisschen enttäuscht bin ich schon. Ich mache die Augen wieder zu und sehe ein Feld, das brennt, und einen Wind, der das Feuer vor sich hertreibt. Dann sehe ich eine Stadt, die von einer gewaltigen Erdbebenwelle erfasst wird. Na ja, vielleicht war alles nur Einbildung, aber trotzdem cool und ermutigend.

Jetzt kommt Daniel von der Plattform und legt den Pastoren die Hände auf. Es beginnt ein heiliges Chaos. Die Leute stürzen sich auf ihn, alle wollen die Hände von ihm aufgelegt bekommen und zwar sofort. Mir wird es zu wild und ich ziehe mich ein Stück zurück. Menschen fallen um, manche zittern, aber die meisten stehen mit erhobenen Händen da und loben Gott. In mir steigt eine unglaubliche Freude hoch, muss fast laut losprusten vor Lachen. Kann mich gerade noch beherrschen. Aber jetzt, einen Tag später, beim Schreiben dieser Zeilen, spüre ich diese Freude immer noch, wenn auch stark überlagert von Müdigkeit. Es war eine wirklich tolle Erfahrung.

Zurück im Hotel schreibe ich Tagebuch. Ich fange an, verstärkt an zu Hause zu denken. Ich fühle mich wie bei „Herr der Ringe“. Ich war bei der großen Schlacht dabei, habe Großartiges gesehen. Danach geht es nach Hause und ich muss in meinem eigenen Umfeld kämpfen. Das wird mich und Lars noch den ganzen Tag beschäftigen. Wir sprechen darüber, was wir von dem, was wir gesehen haben, zu Hause im Kleinen umsetzen können. Haben auch noch ein paar Konflikte zu klären. Es ist gut, dass wir so viel Zeit zum Reden haben und alles hier gemeinsam erleben. Nach dem Mittagessen geht ein Teil der Gruppe auf einen Markt in der Stadt. Ich nicht, muss dringend schlafen. Ist aber gar nicht so leicht, mit geht so viel durch den Kopf. Mache die Klimaanlage an, die erstaunlicherweise auch Geräusche von sich gibt, aber zwei Stunden später ist es wärmer als vorher.

17.15 Uhr: wir sind wieder unterwegs zur Great Gospel Campaign. Es ist ein buntes Treiben in der Stadt. Je näher wir an unseren Zielort kommen, desto schlimmer wird das Verkehrschaos. Vor allem verstehe ich nicht; warum uns so viele Fahrzeuge und Motorräder entgegenkommen. Die müssten doch alle in unsere Richtung fahren. Bis mir auffällt, dass die Motorräder, die uns entgegenkommen, immer nur einen Fahrer haben und die, die in unsere Richtung fahren, jede Menge Leute transportieren.

Als wir ankommen, sehen wir einen jungen Mann mit einem T-Shirt, auf dem steht: „Real men fight on their knees“. Guter Spruch, muss ich mir merken.

Der Lobpreis ist wieder super, ich klatsche begeistert mit. Mit dem Singen klappt es gar nicht, dafür ist mein Yoruba zu schlecht. Daniel predigt wieder – über Jesus und Zachäus. Er spricht direkt die Probleme der Leute an und macht danach wieder einen Aufruf. Es ist schwierig zu erkennen, wie viele Leute sich bekehren, denn die Menschen hier haben die undeutsche Angewohnheit, dass prinzipiell alle winken. Aber auch nicht schlecht, so sprechen 275.000 Menschen ein Übergabegebet. Die genaue Zahl der ausgefüllten Entscheidungskarten muss erst noch ermittelt werden. Es stärkt meinen Glauben ungemein, was das Verhältnis von Christen und Nichtchristen in einer Stadt angeht.

Es werden wieder Amulette und Fetische in einer Tonne verbrannt. Ist toll, hat bei mir aber nicht mehr den gleichen Effekt wie gestern. Nach dem Aufruf und einer kleinen Lehreinheit von Reinhard betet er für die Geistestaufe aller Gläubigen auf dem Feld. Gleicher Ablauf wie heute Morgen. Die Menschen schreien aber so laut Halleluja, dass die 13 Meter hohen kraftvollen Lautsprechertürme keine Chance mehr haben durchzukommen. Ich schreie mit Halleluja, ohne mich zu hören. Ist super, so zu beten. Habe die Augen zu und sehe Jesus mit einer Krone auf einem gigantischen Thron über der Stadt.

Daniel betet wieder für die Kranken. Später im Bus stellt sich heraus, dass die Frau, die mit uns aus Deutschland kam, an den Augen geheilt wurde. Sie hatte eine Brille mit 4 Dioptrien und kann nun ohne Brille klar sehen. Es dauert eine Weile, bis wir das im Bus realisieren. Ihr Mann meint, dass Gott auch Weiße in Schwarzafrika heilen kann.

Zurück im Hotel sitzt Frosch mit einem Freund an den senkrechten Badfliesen. Lars hat sie dort entdeckt und ich gebe zu, dass ich nach seiner Aussage heute Morgen ein wenig schadenfroh bin. Haben jetzt zwei Frösche in zwei leeren Plastikwasserflaschen.

Ich habe starkes Heimweh nach meiner kleinen Familie. Möchte meine Frau und meinen Sohn in den Arm nehmen. Es dauert eine Weile, bis ich mich beruhigen kann. Ich bitte Jesus, dass er uns allen nahe ist und es auch für meinen kleinen Sohn nicht so schlimm ist. Sehne mich danach, sie am Frankfurter Flughafen wiederzusehen.

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Los geht’s - tut was!
Geschrieben von: Stephan Mittelstädt   
Samstag, 13. November 2010 um 17:00 Uhr

05.30 Uhr, wir sitzen wieder in der Dunkelheit in unserem Bus auf der Fahrt durch das noch verschlafene Ogbomosho. Heute Nacht habe ich wieder nur 4 Stunden geschlafen, weil ich mich mit Lars zu lange über die Ereignisse unterhalten habe. Bin gespannt, wie lange ich diesen Schlafentzug noch durchstehe. Um 06.00 Uhr wieder Frühstück. Langsam beginnt es hier zur Routine zu werden. Ich fühle mich aber auch ein bisschen wie ein Gefangener. Unser Hotel ist mit Stacheldraht und Toren fast so gesichert wie ein Gefängnis. Das Haus des Gouverneurs ist mit hohen Mauern, auf denen Glasscherben einbetoniert sind, gesichert. Davor immer Wachen mit Maschinengewehren. Auf dem Evangelisationsfeld haben wir unseren abgesperrten Bereich  und zwischen Hotel, dem Haus des Gouverneurs und dem Feld haben wir immer eine Polizeieskorte dabei. Wenn wir nachts von der Evangelisation heim fahren, sind manchmal zehn dunkle Geländewagen vor uns, teils mit Blaulicht, und den Schluss der Kolonne macht ein Pritschenwagen mit Soldaten auf der Ladefläche. So muss sich auch ein Präsident fühlen. Will gar nicht daran denken, dass das zu unserer Sicherheit ist. Macht mir ein wenig Angst.

In der halbstündigen Morgenandacht sitzen wir draußen unter einem Zeltdach und beten laut, während die Sonne aufgeht. Ist eine gute Antwort auf den morgendlichen Schrei des Muezzins aus einer Moschee in der Nähe.
Reinhard spricht heute frei, ohne Bibeltext. Ich merke, dass ihm das Thema unter den Nägeln brennt. Wir sollen losgehen. Egal wie heilig oder tauglich wir uns fühlen. Los geht’s!
Motiviert mich sehr. Aber wir haben schon so viel getan: Konzerte, Jugendgottesdienste, Straßeneinsätze … Passiert ist nicht viel.

Auf der Feuerkonferenz predigt Daniel zuerst. Er spricht über die Berufung von Gideon, der sich ängstlich versteckt und wie Gott ihn herausfordert gegen die Feinde los zu schlagen.
Der Kämpfer in mir erwacht. Aber auch die Sonne. Bis jetzt war es immer bedeckt und angenehm, doch jetzt scheint sie mir voll auf die linke Seite. Bin gespannt, ob ich halbseitig braun werde? Es ist schwül warm und ich spüre meine Müdigkeit hochsteigen. Ich kämpfe und versuche mich zu konzentrieren. Als ich mich umsehe, merke ich, dass andere den Kampf verloren haben. Eine kleine schwarze Ordnerin mit der Ausstrahlung einer deutschen Oberschwester geht durch die Reihen, stupft die Eingeschlafenen an und ermahnt sie. Beruhigt mich, dass die Afrikaner auch nur Menschen sind.

Danach ist Peter van den Berg dran. Er springt ein paar Jahrhunderte weiter zu Jonathan und seinem Tatendrang. Ich finde es echt toll, dass die Prediger so viele Stellen aus dem Alten Testament nehmen und mit Wahrheiten aus dem Neuen Testament verknüpfen. So viel, wie in den letzten drei Tagen, habe ich noch nie im AT gelesen.
Danach Fahrt zum Hotel, Tagebuch schreiben, Fahrt zum Haus des Gouverneurs zum Essen, Fahrt zum Hotel – Mittagsschlaf.

17.00 Uhr – Fahrt zum Evangelisationsgelände. Routine. Ich merke, dass ich überreizt bin und nehme dankbar an, als uns Thomas hinter den Kulissen die Technik zeigen möchte. Die Trucks und Auflieger stehen in einem Quadrat hinter der Bühne. Darin Generatoren, Video- und Technikräume, Materiallager, in einem Matratzen zum Schlafen. In der Mitte ein freier Platz, wo ein Teil des Technikteams kocht und isst.
Wir treffen Winni Wentland. Seit 31 Jahren ist er bei CfaN in Afrika dabei und ein alter Haudegen. Er hat 16 Jahre mit seiner Familie in Lagos gelebt und weiß einiges zu berichten. Er erzählt von Diktatoren, von Christenverfolgungen und der berechtigten Angst, dass aus Nigeria einst ein islamischer Staat werden sollte. In dieser Zeit lernten die Christen zu beten und schrien zu Gott. Das war Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre. Danach fing die Erweckung an. Er erzählt von Gemeinden, die bis zu 2 Millionen Mitglieder haben. Von Laienevangelisten, die in Linienbussen predigen und dass sich dort in den Bussen Menschen bekehren. Er berichtet von einer Heiligungsbewegung, die damit verbunden ist, und von einem 20 x 30 Kilometer großen Gemeindegelände. Auf diesem Gelände treffen sich jedes Jahr 3 Millionen Christen für eine Woche zum Gebet und Hören aus Gottes Wort. Mich begeistern ganz besonders auch seine Ausführungen zur Logistik. Die Leute müssen ja auch alle was essen und aufs Klo.
Ich bete, dass wir in Deutschland ohne Christenverfolgung beten lernen.

Mit einem schwarzen Ordner gehen wir durch die versammelte Menge in die Mitte des Feldes. Wir dürfen Fotos machen, von einer kleinen aber 10 Meter hohen Hebebühne (ein sogenannter „Cherrypicker“). Als ich oben stehe, wackelt der Korb im Wind und mich erfüllt große Freude. Hier ist fast die halbe Stadt – 250.000 Menschen – und hören das Evangelium. Wir sind umringt von Schwarzen. Ganze Familien sitzen auf Decken. Kinder lesen mit LED-Taschenlampen aus der Bibel mit. Am Rand des Feldes sitzen Tausende auf Mauern und hören gespannt zu. Heute bekomme ich nicht viel mit, was auf der Bühne los ist. Der Gottesdienst geht an mir vorbei. Nur zum Schluss sitze ich wieder auf einem Stuhl in unserem abgesperrten Bereich.

Zwei Tonnen mit Amuletten und anderen Dingen aus dem Bereich des Aberglaubens und der Schwarzen Magie werden verbrannt. Die Menschen haben die Sachen von zu Hause mitgebracht und tanzen nun um die brennenden Tonnen. Daniel proklamiert; dass die bösen Kräfte über die Anwesenden und ihre Angehörigen keine Macht mehr haben. Die Menge bildet eine Kette und zwei schwarze Hände suchen meine Hand. Rechts Lars, links zwei Schwarze.
Daniel nennt jeden Götzen beim Namen und weist ihn in seine Schranken. Wir bekräftigen es jedes Mal mit einem donnernden „Amen“ unserer Menschenkette. Ich schreie mit.
Danach geht es nahtlos in das Gebet für die Kranken über. Nach jeder Krankheit ein „Amen“.
Ich habe diese Menschen in mein Herz geschlossen und freue mich mit ihnen, als die ehemaligen Blinden, Lahme, Taube und von anderen Krankheiten betroffene Menschen nach vorne strömen.
Immer wieder fängt in der Menge eine Gruppe Menschen an zu tanzen und Gott zu loben. Kurz darauf lösen sich zwei oder drei aus der Gruppe und kommen mit erhobenen, selbstgebauten Krücken nach vorne zum Zeugnis geben. Tumult und Freudentaumel. Die Menschen feiern und freuen sich. Ich mich mit ihnen. Als wir in den Bus einsteigen zum Abendessen ist Partystimmung.

Nachts entdecke ich unter unserem Klo einen kleinen braun-weißen Frosch, der sich schnell hinter dem Abflussrohr versteckt, wo ich nicht hinkomme.
Bin gespannt, ob ich mit diesem Wissen morgen duschen kann.

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Heilt Gott heute noch?
Geschrieben von: Stephan Mittelstädt   
Freitag, 12. November 2010 um 15:00 Uhr

Die zweite schlechte Nacht. Habe bestimmt nur drei Stunden geschlafen, als um 4.45 Uhr der Wecker klingelt. Wir quälen uns aus dem Bett und taumeln im Halbschlaf zum Bus. Weil unsere Gruppe diesmal so groß ist und noch ein Team aus Brasilien dazugestoßen ist, essen wir in zwei Schichten. Wir sind leider die Ersten. Das Frühstück entschädigt wieder, wie bereits am Vortag. Ich bin nun erstaunlich fit und freue mich auf die morgendliche Andacht von Reinhard Bonnke um 6.30 Uhr in unserer kleinen Runde. Wenn ich mir überlege, dass er vor uns mit der gleichen Leidenschaft predigt, wie gestern vor 150.000 Menschen, ist das echt erstaunlich. Ich bin dankbar; dass ich so dicht an einem solch großen Mann Gottes sein darf.
Daniel Kolenda sitzt neben mir und unterhält sich mit seinem 6-jährigen Sohn.

08.00 Uhr: Feuerkonferenz. Wir sind auf dem gleichen Feld, nur mit weniger Leuten, und es ist bestuhlt. Obwohl meine Heimatstadt fast genauso viele Einwohner hat wie Ogbomosho, wären bei uns nur ein Bruchteil der Leute da. Bei uns gibt es nicht im Ansatz so viele Christen, wie sich hier versammelt haben.

Daniel Kolenda predigt über den brennenden Dornbusch und dass Gott uns anzünden will. Er fand es interessant, dass Johannes der Täufer es ist, der zum ersten Mal die Taufe mit Feuer erwähnt. Der Witz ist allerdings nur im Englischen lustig.
Danach predigte Peter van den Berg über Hesekiel 37, wie Gott die toten Gebeine zum Leben erweckt. Der Text springt mir förmlich ins Gesicht und beschäftigt mich die nächste Stunde. Es ist wie ein Fahrplan für Erweckung. Aber Peter spricht über das Vertrauen auf Gottes Zusagen im persönlichen Leben. Sehr ermutigend.
Die Leiter versprechen, dass am letzten Tag das Feuer fällt. Bin sehr gespannt darauf.

Zurück im „besten Hotel der Stadt“ schreibe ich meine Gedanken vom Vortag auf. Die Heilungen beschäftigen mich wieder. Hier passiert zu viel für meinen kleinen deutschen Glauben. Ich frage mich, ob die Heilungszeugnisse vom CfaN-Team gefakt (getrickst) sind, verwerfe den Gedanken aber gleich wieder. Dafür sind die CfaN-Leute viel zu integer, das wäre das Letzte, was ich ihnen zutraue. Vielleicht spielen die Leute aber auch bloß Heilungswunder vor, um einmal auf der Bühne zu stehen. Auch den Gedanken muss ich verwerfen, dafür waren die Emotionen der Geheilten zu stark. Mag sein, dass ein kleiner Teil tatsächlich so auf die Bühne kommt. Das dürfte aber die Ausnahme sein.
Dass es echt ist, kann ich nicht verdauen. Dass Jesus vor langer Zeit, weit weg, geheilt hat – kein Problem. Dass es in China oder Indien passiert – von mir aus. Aber hier, vor meinen Augen ...
Wenn ich es als wahr akzeptiere, kommen sofort weitere Fragen: Warum passiert so was nicht in Deutschland? Kann es in Deutschland passieren? Kann Gott durch mich heilen?
Die Wunder hier zu akzeptieren heißt für mich, den Glauben zu haben, dass Gott durch mich in Deutschland heilen kann. So weit bin ich noch nicht. Beim Mittagessen haben Lars und ich mit Thomas ein gutes Gespräch zum Thema Heilung (Er lässt nicht locker). Ich fange an, die Heilungen hier als Gottes Wirken zu akzeptieren.

Im Hotel hole ich Schlaf nach, überwinde meinen Ekel und dusche.
17.00 Uhr, wieder sind wir unterwegs zum Gelände der „Great Gospel Campaign“. Im Bus entsteht ein kleiner Wettbewerb: Wer sieht die meisten Personen auf einem Moped. Einer entdeckt sechs und macht ein Foto. Die Menschen hier nutzen alle Verkehrsmittel voll aus, um zum Gelände zu kommen. Kleintransporter hängen voller Menschentrauben. LKWs werden als Busse eingesetzt, die meisten aber kommen eben doch zu Fuß.

Bei unserer Ankunft ist gerade Lobpreis. Die Afrikaner singen so laut und voller Freude, dass ich vor meinem geistigen Auge den Himmel offen sehe. So etwas würde ich mir in Heilbronn wünschen. Überlege, wie es sich umsetzen lässt. Vor mir tanzt eine Gruppe der Brasilianer. Dagegen tippe ich nur mit dem Fuß. Kann meine deutsche Herkunft nicht verleugnen.
Reinhard predigt über Jesus und die Ehebrecherin mit einer Wahnsinns-Vollmacht. Wieder bekehren sich Tausende. Aber ich warte auf die Heilungen.

Ich habe von meinem Platz aus eine gute Sicht auf den Bereich, wo die Zeugnisse gesammelt werden. Daniel Kolenda betet wieder ca. 15 Minuten für die Kranken. Er bittet nicht, sondern befiehlt den Krankheiten zu weichen. Nach jeder einzeln aufgeführten Krankheit ruft die Menge in der Lautstärke eines startenden Flugzeugs: „Amen!“
Nun kann ich Dutzende von Leuten sehen, die in den Zeugnisbereich strömen. Ich beginne, tief in meinem Herzen zu glauben, dass hier Gott in großem Stil heilt, dass er es auch in meinem Land tun will und tun wird und auch, dass er durch mich heilen kann.

Nachts reparieren Lars und ich mit einem Taschenmesser unseren Deckenventilator über dem Bett und diese Nacht kann ich besser schlafen.
„This is Africa!“

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Christen beten die Nacht hindurch
Geschrieben von: Stephan Mittelstädt   
Mittwoch, 10. November 2010 um 23:30 Uhr
17.30 Uhr: Wir befinden uns auf dem Weg zum Evangelisationsfeld. Es ist unglaublich, wie viele Menschen in die gleiche Richtung strömen. Auf einem Motorrad fährt eine Familie neben uns her; die Tochter vor ihrem Vater und dahinter die Mutter mit einem Baby. Ein schrottreifes Motorrad, sie haben keine Helme auf und die Sicherheit für das Baby ist katastrophal. Habe aber selten jemanden in unserem Land so strahlen gesehen. Wir überholen Gemeindebusse, vollgeklebt mit „Bonnke-Plakaten“, vollgestopft mit Leuten, Autos, in denen manche noch im Kofferraum eine Mitfahrgelegenheit gefunden haben. Unser Fahrer versucht, den Bus durch die Menschenmassen zu lenken. Wir fahren vorbei an Essensständen fliegender Händler, an Büchertischen, aus deren Lautsprechern Lobpreismusik die Menschen übertönt.

Kurz vor dem Backstage-Bereich bildet die Menschenmenge eine Gasse für den Konvoi. So fühlt sich vielleicht ein Marathonläufer, der kurz vor dem Ziel von den Menschenmassen umjubelt wird. Nur diese Menschen hier loben Jesus.

Für die Gäste sind wegen ihrer großen Anzahl sowohl auf der Bühne als auch daneben Plätze vorbereitet. Ich darf heute Abend auf der Tribüne Platz nehmen. Von hier oben hat man einen guten Überblick über das Gelände. Das Lobpreisteam singt seit einer Stunde und es ist unglaublich, wie viele tausend Menschen hier sind, und immer noch strömen Menschenmassen auf das Feld. Ich muss ein Interview auf der Bühne geben und stehe dabei mit dem Rücken zu den Evangelisationsbesuchern. Ist aufregend und fast schon ein wenig peinlich, so vor all den vielen Leuten, aber ich glaube, sie nehmen nicht soviel Notiz davon. Dann predigt Daniel Kolenda. Toller Mann, kraftvolle Predigt. Es bekehren sich Tausende in dieser Nacht – wohl so viele, wie der Gemeindebund, aus dem ich komme, in den letzten 100 Jahren Mitglieder hatte. Und das schon in dieser ersten Nacht – und vier kommen noch. Die Verantwortlichen sagen uns, dass es in den nächsten Tagen noch mehr werden. Ich kann es zwar nachvollziehen, aber nicht richtig glauben. Nach der Predigt wird für Heilung gebetet und die Menschen strömen für Heilungszeugnisse nach vorne. Lahme können gehen, Blinde werden geheilt, Stumme können wieder sprechen. Das ist zuviel für mich, kann noch nicht mal die große Anzahl der Menschen hier verarbeiten und ich bin froh, dass ich dafür noch ein paar Tage Zeit habe.

Während der Veranstaltung wird mir eins immer klarer: Die Menschen bekehren sich hier nicht nur wegen dem Evangelium, das hier klar und deutlich gepredigt wird und auch nicht, weil Daniel Kolenda vollmächtig predigt, sondern auch deshalb, weil hier so viele Christen beten. Ich erinnere mich an die Halle, in der sich monatlich eine Million Menschen zum Gebet treffen, und die vielen Kirchen, an denen wir vorbei fahren, in denen gebetet wird. Unser Reisebegleiter sagt, dass die Menschen sich hier der geistlichen Welt bewusster sind und deutlich mehr beten und öfter Versammlungen haben. Mir wird bewusst, warum wir so wenig Erfolg in Deutschland bei Evangelisationen haben.

Zwei Stunden nach Veranstaltungsende und nach dem Essen in der Lodge fahren wir zurück in unser Hotel. Vor den Hütten stehen Kerzen, manche Familien sitzen noch um einen Tisch und unterhalten sich. Manche schlafen schon auf einer Bank. Sieht friedlich und idyllisch aus. Sind das die Nachwirkungen des Abends in der Stadt oder bei mir?
Fahren nah an einer großen Gemeinde vorbei. Die Kirche ist voll und die Christen beten die Nacht hindurch.     

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Stephan in Ogbomosho
Geschrieben von: CfaN   
Mittwoch, 10. November 2010 um 17:00 Uhr

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Nach einer kurzen Nacht
Geschrieben von: Stephan Mittelstädt   
Mittwoch, 10. November 2010 um 15:00 Uhr

Habe nicht gut geschlafen. Wir sind zwar im besten Hotel von Ogbomosho untergebracht, aber die Zimmer sind klein, es gibt keinen Kleiderschrank, die Klimaanlage ist außer Betrieb, der Deckenlüfter eiert und läuft nur auf höchster Stufe und das Klo hat weder Brille noch Deckel.
Im Zimmer war es stickig warm und ich habe kräftig geschwitzt. Schwierig für einen Deutschen, der gerne bei offenem Fenster schläft. Duschen habe ich mich nicht getraut, war mir zu eklig. Vielleicht kann ich mich morgen überwinden.

Wir fahren zum Frühstück wieder in die Lodge des Gouverneurs, wo Reinhard Bonnke und Daniel Kolenda untergebracht sind, und wo der Teamkoch das CfaN-Team und rund 35 internationale Gäste bekocht. Es gibt alles, was das Herz begehrt, und das versöhnt mich mit der Nacht. Dann fahren wir in 20 Minuten wieder zurück zum Hotel und ich schreibe meine Erlebnisse vom Vortag auf. Ich brauche dazu 1 ½  Stunden und muss dabei viel nachdenken und verarbeiten, das Schreiben hilft mir dabei.

Um 12.00 Uhr fahren wir wieder die gleiche Strecke zur Lodge zum Mittagessen und langsam finde ich die Verhältnisse gar nicht mehr so schlimm.
Auch wenn die Menschen hier in, für europäische Verhältnisse, schlimmen Umständen leben, ist die geistliche Atmosphäre besser als in manchen deutschen Städten. Da sehen die Fassaden zwar deutlich besser aus, dafür sind die Müllberge in den Herzen. Ich finde, dass Ersteres besser ist.

Nach dem leckeren Mittagessen (die Zutaten sind nicht von hier, damit unsere europäischen Organismen nicht krank werden), fahren wir wieder zurück zum Hotel. Ich versuche Schlaf nachzuholen, aber es ist zu warm, ich bin zu nachdenklich und außerdem zu aufgeregt wegen heute Abend.

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Es geht weiter nach Ogbomosho
Geschrieben von: Stephan Mittelstädt   
Dienstag, 09. November 2010 um 23:00 Uhr

14.45 Uhr – die Polizei für die Eskorte ist da. Es geht los – unglaublich. Wir steigen erwartungsvoll in die Autos. 15.30 Uhr – wir fahren vom Hotelgelände. Das erste Mal, dass ich eine afrikanische Stadt sehe. Gestern Abend war es ja dunkel und fast nichts zu sehen.

Ich bin erschüttert von dem was ich sehe: Chaotische Stromkabelführung, viel Müll, Wellblechhütten, Händler, die gebrauchte Waren in selbst gezimmerten Bretterverhauen anbieten. Ich kannte zwar die Bilder aus Büchern und dem Fernsehen, dachte aber, dass es nur ein Teil der Wahrheit ist. Doch hier sieht es überall so aus. Ein Meer von Wellblechhütten, dichtem Verkehr und ein Gewusel von Menschen. Viele sehen glücklich aus, trotz der Umstände, in denen sie leben. Was auch auffällt, ist die ständige Präsenz von Jesus. Aufkleber auf Autos, Schilder an den Motorrädern. Alle paar hundert Meter Gemeindegebäude. Hier eine Bibelschule, dort eine christliche Uni. Wir fahren vorbei an einer Halle, in der sich im Monat über eine Million Menschen zum Beten treffen. Hier scheinen alle Christen zu sein. Auch wenn ich sehr skeptisch gegenüber den Zahlen von CfaN über Bekehrungen war, beginne ich nun, sie als realistisch zu betrachten. Aber ich merke, wie ich meine Bilder nicht zusammenbekomme. Wenn es hier so viele Christen gibt, wieso gibt es hier dann so viel Elend? Ich bete, dass Gott mir Liebe für diese Menschen schenkt, dass mir die Menschen wertvoll werden, auch wenn aus meiner Sicht ihre Lebensumstände ihren Wert nicht erkennen lassen.

Jetzt wird es doch dunkel, es fängt an zu regnen und ich verstehe, warum sie nicht nachts fahren wollten – große Schlaglöcher in der Straße und immer wieder fehlende Teile des Asphalts. Unser Fahrer leistet Großartiges. Als es aufhört zu regnen, treffen wir in einem Dorf ein Evangelisationsteam. Ihre Autos sind vollgeklebt mit CfaN-Plakaten. Sie machen Werbung für die morgen beginnende Großevangelisation. Die Leute freuen sich riesig, winken uns zu und rufen „Bonnke, Bonnke, Bonnke“. Ich merke, wie mein Herz mit Liebe erfüllt wird. Das sind meine Glaubensgeschwister, geliebt von meinem himmlischen Vater. In den nächsten zwei Stunden ist es so, als würde der Papst kommen. Reinhard und Daniel winken vom Dach ihrer Geländewagen, die Leute rennen neben den Autos her, freuen sich, hunderte Mopedfahrer begleiten den Konvoi. Die Menschen stehen vor ihren Wellblechhütten und winken fröhlich. Ich bin gespannt auf morgen und hoffe, dass viele dieser Menschen hier in den nächsten Tagen Bürger in Gottes Reich werden.

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Langes Warten
Geschrieben von: Stephan Mittelstädt   
Dienstag, 09. November 2010 um 14:30 Uhr

Sechs Stunden, nachdem wir ins Bett gekrabbelt waren, klingelte um fünf Uhr unser Wecker. Zeit zum Aufstehen, denn der Konvoi nach Ogbomosho sollte um 06.00 Uhr losgehen. Wir waren gerade richtig aufgewacht, da klingelte das Telefon. Ilka ist dran. Die Abfahrt wurde auf 10.00 Uhr verschoben. Wir sinken dankbar in unsere Betten zurück und schlafen noch mal drei Stunden. Ich habe sehr unruhig geschlafen; das fremde Bett, die schlechte Luft und die laufende Klimaanlage haben mich dauernd aufwachen lassen.

Aber nun bin ich wach. Die 40 Dollar fürs Frühstück sparen wir uns und ich esse stattdessen einen Müsliriegel. Nach meiner Stillen Zeit packen wir, checken aus und warten auf die Abfahrt. Nun treffen auch die anderen CfaN-Gäste in der Hotellobby ein. Reinhard Bonnke und Daniel Kolenda begrüßen uns freundlich. Erstaunlich, wie bodenständig sie sind, normal wirken und eine liebevolle Ausstrahlung haben.

So stehen wir mit ca. 30 Personen in der Lobby und warten auf die Abfahrt. Eine Stunde später habe ich viele nette Leute kennen gelernt, mein Englisch ist auch wieder einigermaßen flüssig – aber die Abfahrt ist noch nicht in Sicht. Die Ersten setzen sich wieder und machen es sich gemütlich. Um 12.00 Uhr essen wir dann ein Sandwich mit Pommes für 16 Euro. An die Preise hier kann ich mich echt nicht gewöhnen. Mir wird erklärt, dass es sich um das sicherste Hotel in Lagos handelt und dass es das einzige ist, in dem man auch als Europäer bedenkenlos essen kann. 14.00 Uhr, wir überlegen, ob wir heute überhaupt noch fahren. Ilka informiert uns, dass wir spätestens um 15.00 Uhr fahren müssen, da wir sonst in die Nacht hineinfahren, was ziemlich unsicher ist. Ich beobachte die Menschen vor dem Hotel, bin müde vom Warten und erstaunt über Daniel Kolenda’s Sohn, der auch schon seit sechs Stunden wartet und immer noch friedlich ist.

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Ankunft in Lagos
Geschrieben von: Stephan Mittelstädt   
Montag, 08. November 2010 um 23:00 Uhr

Nach einer schlechten Nacht – wie immer vor einer abenteuerlichen Reise – ging es um 07.00 Uhr mit dem Zug in Richtung Frankfurt los. Begleitet wurde ich von Lars Kortkamp, da meine Frau bei unserem kleinen Sohn zu Hause bleiben musste. Am Flughafen trafen wir dann Herbert Fischer, Thomas Meyer, unseren Reisebegleiter sowie Ilka Johnnie und einen Kameramann. Von Herbert wurde ich kurz interviewt – war ein komisches Gefühl, mitten im Terminal.

Und dann ging es los, mein erster Interkontinentalflug. Ein Flugzeug mit drei Sitzreihen und einem Bildschirm für jeden. Nun konnte ich mich gut mit Lars weiter unterhalten. Vor uns lagen ja sechs Stunden Flugzeit. Wir haben uns die Sahara von oben angeschaut, das Essen heruntergewürgt, einen Film angeschaut und uns mit den Nachbarn unterhalten. Es war ein angenehmer Flug.

Wir haben dann noch zwei Mitreisende kennen gelernt, die auch bei „Win a mission trip“ mitgemacht haben, aber nicht gewonnen hatten. Die flogen jetzt auf eigene Kosten zur CfaN-Evangelisation nach Ogbomosho/Nigeria.

Nach 1½ Stunden chaotischer Warterei am Flughafen in Lagos waren die Einreiseformalitäten erledigt und wir hatten unsere Koffer. Wir wurden freundlich vom afrikanischen CfaN-Team empfangen und fuhren in einem neueren Geländewagen die kurze Strecke zum Hotel. Aufgrund des Stop-and-go-Verkehrs brauchten wir dafür eine weitere Stunde, ebenso wie fürs Einchecken. Vier Stunden nach der Landung bezogen wir unser großzügiges aber muffeliges Hotelzimmer und machten uns bereit für ein italienisches Essen im Hotel. Ich aß eine 5-Euro-Lasagne für 30 Dollar :-). Anschließend fielen wir alle erschöpft ins Bett.

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Stephan am Flughafen Frankfurt
Geschrieben von: CfaN   
Montag, 08. November 2010 um 10:55 Uhr

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Interview mit Stephan Mittelstädt
Geschrieben von: Siegfried Tomazsewski   
Freitag, 05. November 2010 um 09:00 Uhr

Stephan, wie bist du auf die Idee gekommen, bei dem Gewinnspiel „Einmal in Afrika dabei sein“ mitzumachen?

Ich bin ICI-Student und mein Studienfach ist Evangelisation. Wenn man im Internet nach diesem Thema sucht, kommt man an CfaN einfach nicht vorbei. Mir fiel die Anzeige ins Auge und sofort hatte ich das Verlangen, so etwas in meinem Leben auch einmal mitzuerleben.

Kanntest du CfaN bereits oder war es deine erste Begegnung mit den Evangelisten Bonnke und Kolenda und dem ganzen Missionsdienst?

Nun, mir ist der Dienst und Evangelist Bonnke seit vielen Jahren vom Namen her bekannt, aber ich hatte nie eine echte Beziehung. Als ich um Ostern dieses Jahres die Bibelschule Beröa für einen Schnuppertag besuchte, sah ich jedoch in einem Flur ein Poster, das meine Aufmerksamkeit wirklich fesselte.

Was dachtest du, als du das Poster einer CfaN-Großevangelisation mit den Menschenmassen sahst?

Etwas in meinem Herzen schrie auf: Das ist genau das, was ich auch in meinem eigenen Land, in Deutschland, sehen will! Wie können wir das erreichen?

Du bist Mitglied der Pfingstgemeinde in Heilbronn. Was ist deine Aufgabe dort?

Ich arbeite in der Jugendarbeit mit und leite eine Zellgruppe. Mit jungen Menschen zu arbeiten ist mein Hauptfokus, doch es kann sehr frustrierend sein, wenn man die Durchbrüche, die man eigentlich erwartet, nicht erlebt.

Du warst also ein wenig frustriert, als der Anruf von CfaN kam?

Als der erste Anruf kam und ich hörte, dass ich in der kleineren Auswahlgruppe war, dachte ich eigentlich zum ersten Mal wirklich über die Sache richtig nach. Bis dahin hatte ich nicht viele Gedanken darin investiert, doch dann wuchs die Hoffnung in mir und ich begann mich eifrig mit dem ganzen Thema zu beschäftigen – was ist, wenn ich wirklich gewinne? Als dann die endgültige Mitteilung kam, wusste ich, dass Gott in der ganzen Sache drin war und mich etwas Außergewöhnliches in meinem Leben erfahren lassen wollte. Ich bin CfaN so dankbar für das, was sie tun.

Was erwartest du für dich selbst – du nimmst euren Co-Pastor mit auf die Reise – und für deine Gemeinde und deinen Dienst?

Zuerst einmal will ich mit meinen eigenen Augen sehen, was Gott in Afrika tut. Zweitens möchte ich von Herzen entzündet und ausgerüstet werden, um Gottes Wirken auch in Deutschland zu sehen. Mein Reisebegleiter, Lars, unser Co- und Jugendpastor, hat die gleiche Leidenschaft und das gleiche Verlangen. Ich vertraue Gott, dass er uns Einblicke und göttliche Erkenntnis schenkt, um zu verstehen, wie wir das, was wir sehen, in unserem eigenen Leben und Dienst anwenden können.

Zum Abschluss: Du bist verheiratet. Was empfindet deine Frau darüber, dass du nach Afrika gehst?

Sie wäre natürlich selbst gerne mitgekommen, doch wir haben ein Baby und konnten für die lange Zeit keinen Babysitter finden. Sie freut sich für mich und unterstützt die Reise mit ganzem Herzen.


Wir werden von Stephan und seinem Reisebegleiter während der Reise noch mehr hören … und ich bin sicher, auch von ihrem zukünftigen Dienst.

Pastor Siegfried Tomazsewski
Leiter CfaN-Kontinental-Europa

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Stephan Mittelstädt berichtet aus Nigeria
Geschrieben von: Reinhard Bonnke   
Montag, 01. November 2010 um 09:00 Uhr
Wir gratulieren unserem Gewinner Stephan mit seinem Reisebegleiter Lars ganz herzlich zum Gewinn der Missionsreise „Einmal in Afrika dabei sein“. Die beiden dürfen nach Ogbomosho in Nigeria mitfahren.

Es wird für uns alle eine ganz besondere Veranstaltung werden. Mit den acht Gewinnern der verschiedenen weltweiten CfaN-Büros und gemeinsam mit zahlreichen weiteren Gästen werden wir erleben, welche wunderbaren Dinge Gott in Afrika tut. Denn wir sind gewiss: Jesus rettet, Jesus heilt und Jesus befreit auch heute noch ... das werden wir in Ogbomosho erleben.

Stephan wird uns an dieser Stelle vom 09.11. – 14.11.2010 täglich seine ganz persönlichen Erlebnisse mit Fotos und Videos schildern. So kannst auch du zu Hause an der Großevangelisation in Ogbomosho teilhaben.


Wir sind gespannt und wünschen Stephan und Lars viele wunderbare Erlebnisse und Erfahrungen im Glaubensleben und dir viel Freude und Auferbauung beim Lesen.

Herzliche Segensgrüße

Reinhard Bonnke & Daniel Kolenda
Evangelisten 

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