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Bibelstudie: Seelenrettung – die Priorität der Gemeinde
Geschrieben von: Reinhard Bonnke   

Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen, und er mit mir.
Offenbarung 3,20

Dieses Bild beeindruckt mich jedes Mal: Jesus steht an der Tür der Gemeinde von Laodizea. Was tut er da? Er klopft an! Diese Zusage aus dem Buch der Offenbarung wurde nicht der vorbildlichen Gemeinde von Philadelphia gegeben. Nein, sie wurde einer Gemeinde von lauwarmen Gläubigen gegeben, die Kompromisse machten und den Geist ignorierten. Dieses Bild sagt uns, dass die Leute aus Laodizea mit all ihren Fehlern von der entscheidenden Sache nicht weit entfernt waren. Alles, was sie tun mussten, war umkehren, die Tür öffnen – und er würde hereinkommen. Jesus hatte sie nicht verlassen. Sie waren es, die ihn verlassen hatten.

Und so möchte ich – im Geist Jesu, wie er an die Tür zu Laodizea klopft – den Gemeinden sagen, die ihren Eifer für Evangelisation verloren haben, dass sie nicht weit von der entscheidenden Sache entfernt sind. Lasst Seelenrettung wieder zur Priorität werden. Die Gemeinde Jesu ist kein Vergnügungsdampfer, sie ist ein Rettungsboot. Entertainer werden weder gebraucht noch gewünscht. Vom Kapitän bis zum Koch werden alle Hände an Deck zur Rettung von Seelen gebraucht. Eine Gemeinde, die die Verlorenen nicht rettet, ist selbst verloren.

Unser Dienst Christus für alle Nationen wurde zu einem Werkzeug, das vielen Gemeinden half, die Leidenschaft für die Gewinnung von Seelen wieder neu zu entfachen. Als Evangelisten bringen wir unsere Netze in die Stadt, doch die Boote müssen wir uns von den Gemeinden ausleihen. Gemeinsam werfen wir die Netze aus und ziehen einen gewaltigen Fang ein. Wenn wir unsere Arbeit beendet haben, übergeben wir den Fang den örtlichen Pastoren und Gemeinden. Wir Evangelisten reinigen und reparieren die Netze und ziehen weiter zur nächsten Ernte.

Es herrscht Begeisterung, wenn wir in Afrika in einer Region eine Kampagne ankündigen. Jeder Pastor weiß, dass seine Gemeinde von den fünf Evangelisationsabenden profitieren wird. Wir berufen und trainieren Seelsorgehelfer aus den Lokalgemeinden, die einen Test ablegen müssen, bevor sie bei der Nacharbeit mitarbeiten können. Unsere Arbeit basiert völlig auf der Zusammenarbeit mit den Gemeinden. Über 50% unseres Budgets für die Evangelisationen fließt in die Nacharbeit. Die bleibende Frucht ist wirklich gewaltig und die teilnehmenden Gemeinden werden mit einer neuen Leidenschaft für die Verlorenen entfacht.

Doch Christus für alle Nationen kann nicht die Antwort auf den Prioritätsverlust sein, den ich in vielen Gemeinden sehe. Worin liegt das Geheimnis, das evangelistische Feuer am Leben zu halten? Zuerst einmal glaube ich, dass wir unser Vertrauen völlig auf den Heiligen Geist setzen müssen. Ja, viele stimmen dem zu, doch wie sieht es wirklich bei uns aus? Ich glaube, wenn wir wirklich dem Heiligen Geist vertrauen, werden all unsere Methoden, Programme, konfessionellen Vorgaben und lang gehegten Traditionen zweitrangig. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen: entbehrlich. Wir sind vom Feuer des Heiligen Geistes absolut abhängig. Er ist der wahre Seelengewinner. Er ist das Feuer und wir haben das große Vorrecht, durch die „Torheit der Predigt“ die Verwalter seines Feuers zu sein.

Als junger Missionar in Afrika „salutierte“ ich pflichtgemäß meinen Vätern im Dienst. Sie lehrten mich die Missionsmethoden, die man als richtig und bewährt ansah, länger erprobt, als ich überhaupt am Leben war. Ich konnte mich nicht darüber hinwegsetzen. Doch mein Herz blutete, wenn ich sah, wie nur wenige auf das rigide Bild reagierten, das diese Väter von unserem gnädigen Erretter zeichneten. Es war fast, als ob wir das Baby Jesus, in Rechtsdokumente eingewickelt und mit Regeln und Vorschriften bedeckt, der Welt überreichen würden. Seine wahre Natur war verdeckt. Mich verlangte danach, zu sehen, wie sich große Mengen kostbarer afrikanischer Menschen an Jesus erfreuten, doch unter diesen Umständen war ich nicht überrascht, dass nur so wenige zu ihm kamen.

Gott nahm Hammer und Meißel und begann an mir zu arbeiten. Die Dinge veränderten sich nicht über Nacht. Ich lernte eine Lektion nach der anderen. Neue Dimensionen des Heiligen Geistes öffneten sich mir und jede einzelne versetzte mich in Erstaunen. Zeichen und Wunder begannen zu geschehen und die Dinge fingen an, sich zu ändern. Man muss meine Autobiografie „Im Feuer Gottes“ lesen, um wirklich zu verstehen, durch was mich der Herr hindurchführte.

Mit jeder Lektion fand ich mich entgegengesetzt zu denen, die genau an diesen Methoden, Programmen, gemeindlichen Vorgaben und lang gehegten Traditionen festhielten. In jedem einzelnen Fall kam der Zeitpunkt, sich davon zu befreien und dem Heiligen Geist auf der Jagd nach Seelen zu folgen. Doch der Weg dorthin war ein emotionaler Kampf – und das ist der Grund, warum dieser Weg von so Vielen gemieden wird.

Es ist Erntezeit!

Doch ich habe ein Zeugnis zu geben. Ich habe gesehen, wie über eine Million Menschen in einer einzigen Veranstaltung ihre Entscheidungen für Jesus trafen und dies schriftlich dokumentierten. Ich habe gesehen, wie allein seit dem Jahr 2000 über 58 Millionen das Evangelium annahmen. Und es geht weiter: Menschenmengen werden geheilt und mit dem Heiligen Geist erfüllt. Es ist Erntezeit! Die Apostelgeschichte war nicht der Gipfel dessen, was die Kraft Gottes zu tun vermag, sie zeigt nur die ersten Beispiele der Möglichkeiten des Heiligen Geistes für die Nachfolger Jesu. Vertraue ihm! Akzeptiere nichts Geringeres.

Befreit von dem Altbewährten konnten wir sehen, wie ganze Länder durch die Kraft des Evangeliums erschüttert wurden. Wenn das das Resultat dessen ist, was Gott mir zeigte, dann habe ich die Hoffnung, dass Gott auch dir so etwas zeigt. Ich hoffe, dass du eine Herzensoffenbarung der unvergleichlichen Herrlichkeit seiner Kraft empfängst, einer Kraft jenseits all dessen, was man bisher gesehen hat. Das Potenzial von Pfingsten wurde noch nie völlig ausgeschöpft – und es gibt viel mehr, was noch kommen wird.

Gott ist derjenige, der Evangelisten schafft. Wir sind normale Leute aus Fleisch und Blut. Die Engel hätten diese Aufgabe wahrscheinlich wesentlich effektiver erledigen können, doch in der ewigen Weisheit Gottes gab es keinen solchen Plan. Es ist bemerkenswert, dass der Engel, der Cornelius in Apostelgeschichte 10 erschien, weder den Namen Jesus aussprechen, noch den Weg zur Errettung erklären durfte. Alles was der Engel sagen konnte, war: „Und jetzt sende Männer nach Joppe und lass Simon holen, der den Beinamen Petrus hat!“ Dieser mächtige Engel aus der Tiefe des Himmels musste sich dem höheren Privileg des Petrus beugen, Cornelius das Evangelium von Jesus Christus zu bringen. Wir können nur voller Erstaunen und Demut die Tatsache akzeptieren, dass es Gott gefällt, Menschen wie dich und mich auszusenden. Wir Menschen sind privilegiert. Wir sollten unseren Teil dieses Werkes nicht unwillig tun.

Die Träger des Evangeliums ändern sich von Generation zu Generation, doch das Evangelium bleibt dasselbe. Und nun sind wir an der Reihe. Gott hat uns berufen – jeden von uns. Das Evangelium muss bis an die Enden der Welt getragen werden. Ich frage mich manchmal, ob die Millionen, die ich heute „ernte“, nicht auch von anderen eingebracht werden sollten, die dem Ruf jedoch nicht folgten.

Männer und Frauen, die das unverfälschte Evangelium predigen

Ich glaube nicht, dass es Gottes Absicht ist, es zuzulassen, dass die Hölle größer als der Himmel sein wird. Auch wenn die Schrift in Matthäus 7,13 davon spricht, dass „viele“ auf dem Weg ins ewige Verderben gehen, müssen sie doch von Männern und Frauen aufgehalten werden, die das unverfälschte Evangelium predigen. Jesus errichtete durch seinen Tod am Kreuz die gewaltigste Straßensperre aller Zeiten. Unübersehbar steht es hoch aufgerichtet mitten auf dem Weg, der ins Verderben führt. Wer es passieren will, muss dies willentlich tun. Als Nachfolger Jesu stehen du und ich am Fuße des Kreuzes und rufen den Menschen zu: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2. Korinther 5,20).

Und viele hörten und hören auf den Ruf der Errettung! Hebräer 2,10 sagt, dass der Herr „viele Söhne zur Herrlichkeit führte“ und Offenbarung 7,9 zeigt die erfolgreiche Umsetzung dieses Plans. Jesus beauftragte uns, alle Nationen zu Jüngern zu machen. Das waren keine leeren Worte!

Darüber hinaus gibt es in der Heiligen Schrift keinen Notfallplan, für den Fall, dass das Evangelium scheitert. Denn es wird nicht scheitern! Heute werden mehr Menschen gerettet, geheilt und im Heiligen Geist getauft, als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Wir sind nicht in einen Krieg mit ungewissem Ausgang berufen. Wir werden „Sieg und Beute“ teilen. Das unbesiegbare Geheimnis Gottes ist das Kreuz Christi, das jeden Dämon der Hölle in die Flucht schlägt. Meine Worte sind eine Einladung, sich dieser Eroberungsarmee anzuschließen, nicht ein Flehen, doch einen hoffnungslosen und verzweifelten Widerstand gegen eine überwältigende Übermacht zu unterstützen. Unser Anführer hat noch nie eine Schlacht verloren – und wird es auch nie tun.

Und so fordere ich uns auf, ein Teil dieser Armee zu sein. Lasst Seelenrettung wieder zur Priorität in unserem Leben und in der Gemeinde werden. Ich glaube, dass das Beste noch kommen wird. Auf der ganzen Erde wird der Lobpreis unseres Herrn und Retters erschallen. In allen Nationen und jeder Sprache wird man zur Ehre Gottes, des Vaters, bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist. Amen.

Reinhard Bonnke