| Bibelstudie: Gebet unter einem offenen Himmel |
| Geschrieben von: Daniel Kolenda |
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Auszug aus Kapitel 5 des im Herbst in Deutsch erscheinenden Buches von Daniel Kolenda: Eines der bemerkenswertesten Fürbittegebete der Bibel finden wir in Jesaja 63,19-64,1, wo der Prophet zu Gott rief und sagte: „Ach, dass du die Himmel zerrissest, herabstiegest, so dass vor deinem Angesicht die Berge erbeben – wie Feuer Reisig entzündet, wie Feuer Wasser zum Wallen bringt –, um deinen Namen kundzutun deinen Gegnern, so dass vor deinem Angesicht die Nationen erzittern.“ Jesaja schrie zu Gott, dass er doch den Himmel aufreißen und sich selbst der Welt zeigen solle, damit die Welt ihn so sehen könne, wie er selbst ihn gesehen hatte. Jesajas Ernsthaftigkeit wird schon am ersten Wort des Gebets deutlich: „Ach“. In jeder Person, die das Verlangen hat, Gott persönlich zu erkennen und zu erfahren, ist tief im Herzen etwas eingebettet. Es gibt ein solches „Ach“ in uns allen. Dieses Verlangen, das aus unserem Inneren kommt, ist nichts anderes als eine Reflexion dessen, dass der Mensch ursprünglich nach dem Bild Gottes geschaffen und mit der Fähigkeit ausgestattet wurde, Gott persönlich zu kennen und zu erfahren. Der Kirchenvater Augustinus sagte: „Du hast uns zu dir hin geschaffen und ruhelos ist unser Herz, bis es ruht in dir.“ Dieses Herzensverlangen ist ein elementarer Bestandteil der Struktur unserer menschlichen Persönlichkeit. Es wird durch Kunst, Musik, Sitten und den Glauben jeder Kultur überall auf der Welt ausgedrückt und ist schon bei den ersten Zeugnissen menschlichen Daseins vorzufinden. Als die Sünde in die Welt kam, wurde der Mensch, der doch dazu geschaffen war, in ununterbrochener Gemeinschaft mit Gott zu leben, plötzlich von dem Einen getrennt, der ihn gemacht hatte und der mit ihm in alle Ewigkeit in vollkommener Harmonie zusammen sein wollte. Aufgrund der Sünde Adams trennt seitdem eine tiefe Kluft die beiden Welten, das Natürliche von dem Übernatürlichen, den materiellen, physischen Bereich der gefallenen Menschheit von dem geistlichen Bereich, der mit der Gegenwart Gottes, seiner Kraft und all seinen Segnungen gefüllt ist. Ich bin überzeugt, dass Jesaja in diesem Gebet zu Gott, „… dass du die Himmel zerrissest, herabstiegest …“, auf eine frühere Erfahrung in seinem Leben zurückgriff, die in Jesaja 6,1-8 aufgezeichnet ist. Hier wurde er in den Himmel entrückt und empfing den Auftrag und die Salbung für sein Leben und seinen prophetischen Dienst. Er beschrieb es so: „Im Todesjahr des Königs Usija, da sah ich den Herrn sitzen auf hohem und erhabenem Thron, und die Säume seines Gewandes füllten den Tempel“ (Jesaja 6,1). Jesaja beschreibt in den folgenden Versen sein Erleben in der Gegenwart Gottes. Er sah, wie Engelwesen oberhalb des Thrones einander zuriefen: „Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen! Die ganze Erde ist erfüllt mit seiner Herrlichkeit!“ (Jesaja 6,3). Er erblickte eine sichtbare Erscheinung der Herrlichkeit Gottes. Ein überwältigendes Bewusstsein von Sünde ergriff ihn, während er in der atemberaubenden Gegenwart der Heiligkeit Gottes stand. Überzeugt davon, dass er an diesem heiligen Platz, an dem er sich so plötzlich wiederfand, sicherlich sterben würde, fand er dennoch Gnade vor Gott und seine Sünde wurde mit heiligem Feuer getilgt. Es war der Ort, an dem sich sein Leben und seine ewige Bestimmung für immer veränderten. Er würde niemals wieder der Gleiche sein! Richte einmal dein Augenmerk besonders auf das, was die Engel einander zuriefen. Sie sagten nicht: „Der Himmel ist erfüllt mit seiner Herrlichkeit“, sondern sie sagten: „Die ganze Erde ist erfüllt mit seiner Herrlichkeit!“ Als Jesaja zu Gott betete, dass er doch den Himmel zerreißen und herunterkommen solle, da flehte er um die Erfüllung dieser prophetischen Verheißung, die er viele Jahre zuvor in seiner Vision erhalten hatte. Zusammengefasst sagte er: „Herr, um die Erde mit deiner Herrlichkeit zu erfüllen, musst du den Himmel aufreißen und herunterkommen!“ Jesaja wusste, dass das Zerreißen des Himmels zur Erfüllung des göttlichen Planes für diese Welt notwendig war. Jesus erklärte sich selbst für weitaus mehr als einen Propheten, mehr als einen Rabbiner, mehr als einen politischen Befreier und sogar mehr als einen König. Er erklärte sich selbst als die Brücke zwischen Himmel und Erde, als die Verbindung zwischen Gott und Mensch, als das Portal, das Gott auf dieser Erde öffnete und das uns den direkten Zutritt in den himmlischen Bereich ermöglicht. Die Antwort auf Jesajas Gebet Viele Menschen beten – niedergeschlagen wie ein Bettler, der traurig um ein Stück Brot fleht – noch genau wie Jesaja, dass Gott doch den Himmel aufreißen und herunterkommen möge. Doch meine lieben Freunde, die gute Nachricht ist, dass das Gebet von Jesaja bereits vor 2000 Jahren erhört wurde! Gott riss wahrhaftig den Himmel auf und kam in der Person Jesu Christi herunter. Kann es ein noch dramatischeres Zerreißen geben als das, was auf Golgatha geschah? Die Erde öffnete sich, der Vorhang im Tempel zerriss von oben nach unten und der kostbare Körper Jesu Christi wurde zerbrochen, damit der Himmel in diese Welt eindringen kann. Auf ihm stiegen die Engel Gottes um unseretwillen auf und nieder. Durch ihn wurden all die Ressourcen Gottes ausgegossen, durch die jede Not der Menschheit gestillt werden kann. Durch ihn kann der Mensch mit Gott versöhnt und der Zorn des Allmächtigen beschwichtigt werden. Gott hat die Himmel zerrissen und ist herabgekommen. Er zerstörte die uralte Trennung zwischen Himmel und Erde, so dass heute alle Reichtümer und alle Ressourcen Gottes demjenigen zur Verfügung stehen, der sie im Glauben durch Gebet zu ergreifen versteht. |
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