Ein Festmahl mit dem Herrn – Teil 2
Geschrieben von: Reinhard Bonnke   

Der Herr bedient uns

Nun schauen wir uns die andere Situation an, in der der Herr uns als Gastgeber dient. Dass Gott der Geber ist, ist sein deutlichstes Erkennungszeichen. Folgende Aussage in Lukas 12,35-37 wurde einmal die größte Verheißung der Bibel genannt. Der Herr selbst wird die Knechte, die an seinem Tisch sitzen, bedienen: „Eure Lenden sollen umgürtet und die Lampen brennend sein! Und ihr, seid Menschen gleich, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen mag von der Hochzeit, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich öffnen … Er wird sich umgürten und sie sich zu Tisch legen lassen und wird hinzutreten und sie bedienen.“

Wie Jesus in Lukas 17,7-10 selbst sagt, ist dies etwas höchst Ungewöhnliches, von dem man nie gehört hat. „Wer aber von euch, der einen Sklaven hat … wird zu ihm … sagen: Komm und leg dich sogleich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Richte zu, was ich zu Abend essen soll, und gürte dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; und danach sollst du essen und trinken?“ Selbstverständlich ist es für einen Diener normal, dass er seinen Herrn bedient, doch in der Bibelstelle aus Lukas 12 dient der Herr seinen Knechten. Nur Jesus allein ist so gnädig, dass er etwas Derartiges tut. Es ist eine wundervolle Verheißung. Er sorgt für uns und bedient uns ganz persönlich an seinem Tisch. Welch überwältigende Art, seine Untergebenen zu behandeln.

Vielleicht können wir heute, im aufgeklärten 21. Jahrhundert, dieses erstaunliche Vorrecht nicht mehr richtig nachvollziehen und würdigen. Doch selbst vor 100 Jahren gab es noch eine große Kluft, die Herren von der Dienerschaft trennte und selbst die höhergestellten Diener von den untergeordneten. In einem großen Herrenhaus bekam die Familie in ihren Wohnräumen niemals einen untergeordneten Diener zu sehen. Nur den höhergestellten Dienern war es gestattet, in die Nähe der herrschenden Männer und Frauen zu treten. Ein Adliger würde nur von einem seiner Top-Diener etwas annehmen. Eine adlige Dame würde mit einer Glocke nach einem Diener klingeln, nur damit dieser ihren Schal oder ein Buch vom Boden aufhebt, selbst wenn er dazu drei Treppen hoch laufen müsste. Als Jesus darlegte, dass der erhöhte Herr seinen Knechten am Tisch dienen würde, war das etwas, was jedermann schockierte. Es war einfach nicht normal. Und doch ist es genau das, was Jesus uns verheißt: Wir sollen seine Gäste sein.

Einzigartige Großzügigkeit

Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir die freundliche, fürsorgende Haltung unseres Herrn als zu selbstverständlich hinnehmen. Doch welcher Gott in allen Religionen hat jemals so etwas zugesagt? Für uns ist das ganz alltäglich und wir denken uns nichts dabei, wenn wir in Psalm 23,5 lesen: „Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde“. Als biblischer Gedanke erscheint uns das ganz normal zu sein, doch nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so etwas. Stell dir nur einmal einen Koch vor, der in einem Palast an der Festtafel Platz nimmt, während sein Herr für ihn die Speisen zubereitet und ihm sogar serviert. Das ist in der Welt völlig undenkbar – doch für unseren Gott ist das normal.

Die Verse aus dem Lukasevangelium stellen zwei Szenarien dar, die wir auch in Offenbarung 3,20 finden: Zum einen sind wir die Gastgeber und er ist der Gast und zum anderen ist er der Gastgeber und wir sind seine Gäste.

Diese wichtige Wahrheit steht hinter dem vollkommenen, göttlichen Opfer Jesu. Er offenbarte es seinen Jüngern – allerdings nicht im Stil einer gewaltigen, das ganze Firmament mit Herrlichkeit erfüllenden Vision, sondern es geschah in einem bescheidenen Raum. Dort feierten die Jünger als Juden das Passahfest in althergebrachter Weise. Und plötzlich fand etwas jenseits menschlicher Vorstellung statt. Eine ahnungslos vorübergehende Person hätte keinesfalls erkannt, dass das, was dort passierte, ein einzigartiger Akt göttlicher Gnade war. Es war nur ein stiller Raum am Abend, in dem kleine, flackernde Öllampen die Schatten von 13 Männern an die weiß getünchten Wände warfen. Wir lesen, dass unser Herr Jesus, in der Nacht, in der er verraten wurde, das Brot nahm und sagte: „Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ Und nach dem Essen nahm er den Kelch und sagte: „Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut“ (Lukas 22,19-20; 1. Korinther 11,23-25). Etwas weitaus Größeres als eine neue religiöse Lehre war in die Welt gekommen. Essen und Trinken sind die grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse überhaupt. Gott war zu uns gekommen, um mit uns zu speisen und wir mit ihm.

Jesus machte zwei weitere Aussagen über das Essen und Trinken während des Passahmahles. Zum einen sagte er: „Dass ich es (das Passahmahl) gewiss nicht mehr essen werde, bis es erfüllt sein wird im Reich Gottes“ (Lukas 22,16). Beachte das Wort „erfüllt“: Als Jesus dies sagte, begann er, das Passah, als das einzigartige und vollkommene Lamm Gottes, wirklich zu erfüllen. Das Fest blickte traditionell zurück auf den Auszug aus Ägypten, doch Jesus schaute nach vorn auf das Königreich Gottes.

Das Passahlamm wurde in Erinnerung an die mächtigen Taten Gottes gegessen, doch Jesus ersetzte es nun mit Dingen, die er über sich selbst sagte:„Dies tut zu meinem Gedächtnis!“ (Lukas 22,19). Das historische Großereignis des Auszuges aus Ägypten war die gewaltigste Geschichte, die Israel kannte, doch Jesus zeigte, dass es lediglich ein Vorschatten eines weitaus größeren Ereignisses war: Seiner eigenen mächtigen Befreiungstat. Mose errang die Befreiung von zwölf Stämmen, doch Jesus errang die Befreiung für alle Nationen dieser Erde.

Hinter dem Auszug aus Ägypten stand eine überwältigende Kraft, die Macht Gottes selbst. Doch all diese Kraft, und noch unbeschreiblich viel mehr, stand auch hinter dem Wirken Jesu auf Golgatha. Das Passahlamm und der Triumph über Ägypten unter Mose sind nichts weiter als eine Allegorie, ein Muster, ein Schatten gegenüber dem Triumph Jesu über Sünde und Tod. Er war nicht das Lamm, das ein Mann für seine Familie darbrachte, sondern das Lamm, das unser Gott für die gesamte Menschheitsfamilie gab.

Das Kommen des Königreichs

Die zweite Aussage Jesu lautete: „Denn ich sage euch, dass ich von nun an nicht von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde, bis das Reich Gottes kommt“ (Lukas 22,18). Wir müssen wissen, dass es mehr als nur ein Kommen des Königreiches Gottes gibt. Obwohl uns Jesus lehrte zu beten: „Dein Reich komme“ (Lukas 11,2), sagte er gleichzeitig, dass das Reich Gottes bereits gekommen sei (Lukas 11,20). Er überwand den Tod, indem er sein Leben auf Golgatha niederlegte und es in der Auferstehung wieder nahm, genau wie er es vorausgesagt hatte (Johannes 10,18). Diese überwältigende Tat Gottes führte zu einer neuen Manifestation des Königreiches Gottes. Als Jesus sagte, dass er erst dann wieder von dem Kelch trinken würde, wenn das Reich Gottes gekommen wäre, blickte er voraus auf das Kommen des Königreiches nach seiner Auferstehung von den Toten.

Wie alle Aussagen über das Reich Gottes, besitzt auch diese etwas, was für die Gegenwart gilt, wie ebenso etwas, was zukünftig ist. Die vollkommene Erfüllung wird dann geschehen, wenn Jesus in Kraft und Herrlichkeit wiederkommt und seine ewige Regentschaft antritt – doch die Aussage hat auch eine gegenwärtige Bedeutung. Unser Herr ist bei uns, wenn wir am Abendmahl teilhaben. Es ist das Gleiche wie das, was er uns in Offenbarung 3,20 verheißen hat: „Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen, und er mit mir.“

Unerschöpfliche Reichtümer

Der Abendmahlstisch mit Brot und Wein ist weitaus mehr als nur eine Zeremonie, ein Sakrament oder ein geistlicher Augenblick. Es ist ein Zeichen unseres Essens mit ihm und erinnert an unser Gebet: „Unser tägliches Brot gib uns heute“ (Matthäus 6,11). Die Reichtümer Christi, all seine Güte, sein Segen, seine Freude, seine Gegenwart finden wir nur in ihm allein. Ein Stückchen Brot zu essen und einen Schluck Wein zu trinken dauert nur einen kurzen Moment, in dem wir vielleicht sogar seine Nähe besonders empfinden, aber es ist dennoch keine vorübergehende Erfahrung. Es ist etwas, was uns an all das erinnert, was er ist. Wir öffnen ihm die Tür und speisen mit ihm. Es ist nicht nötig, dass wir ständig an die Himmelstür klopfen und um Brot betteln. Er ist es, der kommt und an unsere Tür klopft, die Speisen mitbringt und das Versprechen und das Vorrecht einräumt, gemeinsam mit ihm essen zu dürfen.

Wenn wir zurückgehen zu unserer Bibelstelle aus der Offenbarung, erinnern wir uns daran, dass sie an die Gemeinde in Laodizea geschrieben wurde. Die Leidenschaft ihrer Liebe zu Gott war abgekühlt, langweilig geworden und nur noch lauwarm. Auch wenn Christus keine lauwarmen Menschen ertragen konnte und damit drohte, sie aus seinem Mund auszuspeien, so würde er ihnen doch nicht wahre Liebe und die Frucht des Geistes verweigern. Seine Zurechtweisung, so sagte er ihnen, war ein Zeichen seiner Liebe (Offenbarung 3,19). Um ihnen zu helfen, die Dinge wieder richtigzustellen, würde er ihnen im Feuer geläutertes Gold, weiße Kleider und Augensalbe geben (Offenbarung 3,18) – und die Möglichkeit, an seiner Tafel zu sitzen und mit ihm zu speisen. Welch ein Vorrecht! Die unerschöpflichen Reichtümer seiner Gnade gelten für jeden, der seine Tür für ihn öffnet.